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Mit möglichst wenig Kohle viel erleben – die Geschichte von Camille geht zu Ende…

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Wie ging es mit der guten Camille weiter? Wie bereits vor einigen Monaten erzählt hat sie uns in einer sehr wichtige Phase in unserem Leben begleitet, um nicht zu sagen diese begründet…

Wir schreiben mittlerweile 2007, also ca. einen Sommer nach unserem Portugal-Road-Surf-Dünenschlafen-Trip.

2007 ist Valentin zwanzig Jahre geworden, Vitalis ist ja wie Ihr wisst auf den Tag genau zwei Jahre älter. Nun, in diesem Jahr hat Valentin entschieden seine damals noch Verlobte zu heiraten.

Nur – keine Hochzeit ohne vernünftigen Junggesellenabschied, oder wie wir in unseren Kreisen zu sagen pflegen „Maltschischnik“. Dass unsere Kumpels weder die Kohle noch die Lust für einen „Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas – Trip“ hatten, stand schon recht früh fest.

Also haben wir uns auf das besonnen, was wir damals am besten konnten. Mit möglichst wenig Kohle viel erleben.

Das passende Gefährt stand ja vor der Tür, das Ziel war diesmal Sizilien, oder zumindest weiter als Rom kommen. Schlafen, wo es uns und wie es uns gefällt… Schlafsäcke und Isomatten sind ja dabei. Allzu kalt kann es ja im späten Frühling in Bella Italia ja kaum sein.

So haben wir uns eines abends aufgemacht, ohne großen Plan, ohne großen Geldbeutel, einfach nur viele Tage Zeit und ein schwammiges Ziel irgendwo im Süden.

Unser Nicht-Plan hat eigentlich ganz gut funktioniert, schnell haben wir die Schweiz durchquert und einen ersten längeren Stop in Norditalien am Lago Maggiore gemacht.

Das schöne an so einem geräumigen Fahrzeug wie unserem Volkswagen „Camille“ T3 Baujahr 1985 mit Eisverkäuferhochdach ist ja, dass man relativ bequem und schnell den Fahrerwechsel vollziehen kann.

Wichtig: ich beschreibe jetzt nur eine rein theoretische Möglichkeit einen fliegenden Fahrerwechsel zu vollziehen. Das soll niemanden ermutigen es so zu machen, noch will ich bestätigen, dass wir das so gemacht haben.

Also, (wie gesagt, rein theoretisch) der Fahrer in einem großzügig dimensionierten Fahrzeug, wie dem damals unsrigen, verspürt eine leichte Müdigkeit, weil er schon eine gewisse Zeit ohne Unterbrechung hinter dem Lenkrad saß. Dann kann er seinem Beifahrer ein Signal geben, sodass dieser das Lenkrad festhält. Während dieser das Lenkrad nicht nur festhält, sondern auch dem Straßenverlauf gemäß das Fahrzeug in der Spur hält, kann der Fahrer aufstehen, sich zur Seite drehen und sich nach hinten ins Fahrzeug begeben.

Wichtig ist an dieser Stelle, dass ein Ersatzfahrer sich bereit macht um umgehend das Lenkrad zu übernehmen.
Soviel zu einer etwas spezielleren Technik, wie man möglichst schnell mit einem langsamen 60 PS Fahrzeug viele Kilometer zurücklegt.

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Nach einigen Nächten im Freien, auf unbewachten Parkplätzen und auf bewachten Parkplätzen, die wir schleunigst verlassen mussten, wollten wir nicht eine saftige Geldstrafe bekommen, kamen wir irgendwann in der ewigen Stadt Rom an.

Und da nahm auch unsere Reise ein abruptes Ende. Während wir einen ausgedehnten Nachmittag und Abend in der Innenstadt verbracht hatten, kamen wir bei Einbruch der Dunkelheit zu unserer Camille zurück.

Und siehe da – das Seitenfenster war eingeschlagen und alles war weg. Alle unsere Taschen, unsere Koffer, all unsere Habseligkeiten.

Natürlich juckt das in Rom polizeitechnisch niemanden, weil das jeden Tag zuhauf vorkommt – also hatten wir auch eine Chance, die Richtung 0 % ging, dass wir jemals wieder unser Zeug sehen sollten.

Dass jeder von uns in seinem Köfferchen Lieblingsteile und Sachen drinhatte, die nicht so ohne weiteres ersetzbar sind, ist ja wohl auch klar.

Rückblickend waren wir etwas voreilig in der Entscheidung nach Deutschland zurückzufahren, wahrscheinlich war der Frust in dem Moment zu groß.

Heute hätte sich wahrscheinlich einfach jeder von uns eine neue Zahnbürste und Badehose gekauft und wir würden unsere Tour gen Süden fortsetzen.

Aber so handelt man eben oft aus der Situation heraus und trifft schnell Entscheidungen. Was ja auch meistens gut ist.

Jedenfalls war ab da irgendwie auch so bisschen der Wurm in der guten Camille. Auf der Rückfahrt ist uns einfach der Motor bei der Einfahrt in einen Tunnel ausgegangen. Wohlgemerkt, es ging bergauf und wir waren in einer Kurve – im Rückspiegel habe ich noch den LKW andonnern sehen, der uns gerade noch ausgewichen ist. In dem Moment stiegen so einige Gebete gen Himmel, welche auch umgehend erhört wurden, der Motor sprang wieder an und uns krachte niemand ins Heck.

Noch in diesem Jahr war Vitalis mit seiner Frau in den Alpen unterwegs, wo die gute Camille dann auch endgültig ihren Geist aufgegeben hat.

Warum schreiben wir das alles hier nieder? Wahrscheinlich versuchen wir das Erlebte, das Dramatische und Traumatische an der ganzen Sache zu verarbeiten… Ok, die Fotos sind auch stark.

Nein, im Ernst. Letzte Woche waren wir für compagnon wieder in der Schweiz, Norditalien und Österreich unterwegs. Auf dem Hinweg nach Mailand zur Lineapelle sind wir durch den Gotthard – Tunnel gefahren. Auf der italienischen Seite gibt es ein Städtchen mit dem wohlklingenden Namen Airolo. Und in ebendiesem Airolo ist die gute Camille verendet. Dort hat Vitalis sie damals stehen lassen. Wir sind dann nochmal extra zur Werkstatt gefahren um zu sehen, ob die Camille noch möglicherweise auf dem Hof rumsteht und wir sie aus ihrem Schneewittchenschlaf wecken können. Was leider nicht zutraf.

Und da brachen nochmal unsere Trauergefühle mit aller Heftigkeit in uns hervor.

Nicht. Aber so bisschen Wehmut war schon dabei. Möge sie in Frieden auf irgendeinem Autofriedhof ruhen unsere geliebte Begleiterin – die Mitgründerin von „compagnon“.